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Geschichte des Norikers

40 n. Chr. besetzten römische Legionen die Provinzen Norikum, Rätien und Panonien. Dort wurde das römische Legionspferd eingeführt, um die eigenen Streitkräfte mit Pferden in den erworbenen Gebieten zu versorgen. In den Bergprovinzen gab es nur wenige geeignete Pferde. So dehnten die Römer ihre Pferdezucht auch in die eroberten Provinzen aus. Als sich die Römer zurückzogen, begannen die Siedler der Bergtäler in der Provinz Norikum (Teile von Salzburg, Steiermark und Kärnten) die vorhandenen Pferdebestände zu vermehren. So wurde das römische Legionspferd zum Mitbegründer der norischen Pferderasse.
Im Spätmittelalter (12.Jh) gewann der Saumhandel immer mehr an Bedeutung. Die Verbindung zwischen Bayern und Venedig führte über die Hohen Tauern. Die Stellung des Pferdes im Alpenraum wurde durch diese Entwicklung gefestigt.

Im 15. und 16. Jahrhundert florierte der Warenverkehr über die Tauernpässe. Es gab keinen Fuhrweg über den Alpenhauptkamm, darum wurde der Warentransport von Pferdekarawanen bestritten. Die "Untere Straße" über den Radstädter Tauern, den Katschberg und das Kanaltal war die wichtigste Verbindung nach Süden. Ein Saumross wurde im Gebirge mit etwa 140 kg beladen. Als Säumer waren Bauern tätig, die ihre Pferde in der landwirtschaftlich toten Zeit (Spätherbst, Winter) zu diesem Nebenerwerb einsetzten. Ende des 18. Jahrhunderts kam der Saumhandel aufgrund des verbesserten Wegenetzes zum Erliegen.

Zu Beginn der Neuzeit beschäftigten sich auch die Kirchenfürsten des Landes Salzburg intensiver mit der Pferdezucht. 1688 legte Erzbischof Graf Thun den entscheidenten Grundstein für den reingezogenen Noriker durch folgende Anordnungen:

  1. Die innländischen Mutterstuten dürfen nicht mehr durch aus dem Ausland stammende Beschäler belegt werden.
  2. Nur Hofbeschäler dürfen zum Belegen verwendet werden.
  3. Vom Staat dürfen nur Fohlen angekauft werden, die von Hofbeschälern stammen.

Damit war man nicht mehr auf den langwierigen, teuren Import von Spaniern und Neapolitanern angewiesen. Der Einfluß dieser Hengste dürfte sich auf den Raum Salzburg, Pinzgau und Pongau beschränkt haben. In den höher gelegenen Tälern wurde der ursprüngliche Norikertyp (klein, braune Farbe) gezüchtet. Die Hengste der Bischöfe waren größer, temperamentvoller und auffälliger gefärbt. Diese Hengste wurden bei Bauern eingestellt. Die Haltung und Pflege dieser teilweise sehr temperamentvollen Pferde war für die Bauern schwierig und aufgrund fehlender Ausbildung der Hengstpfleger auch gefährlich. Die Nachzucht entsprach nicht den Anforderungen der Bauern (zu wenig rumpfig). Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Deckhengste abgezogen und durch sogenannte "lizensierte" Privathengste ersetzt.

Im 19. Jahrhundert war man bestrebt das "Pinzgauer Pferd" durch Einkreuzungen fremder Rassen, z.B. Burgunderpferden zu modernisieren. 1876 berief das k.k. Ackerbauministerium die Pferdezuchtenquete ein, um die Landespferdezucht neu zu organisieren. Diese beinhaltete folgende Grundsätze:

  1. Fixierung und Einhaltung des obersten Zuchtprinzipes
  2. Bildung und Erhaltung von Landschlägen
  3. Gründung eines "Stammregisters" für die norische Pferderasse

Der erste Band des Salzburger Gestütsbuches von Karl Schlossleitner erschien 1903. Seitdem kann man von planmäßiger Reinzucht der Noriker sprechen. Gegen Ende des 19. Jahrhundert erhöhte sich der Bedarf an Zugpferden durch die schnelle wirtschaftliche und technische Entwicklung. Die Norikerzucht erlebte einen großen Aufschwung. Im 2. Weltkrieg wurden Noriker in der bespannten Artillerie, im Nachschub und in der Versorgung eingesetzt. Nach dem Ende des Krieges erlebte die Norikerzucht eine neue Glanzzeit. Der Bestand verdoppelte sich innerhalb weniger Jahre. Das ist auf den Wiederaufbau und den landwirtschaftlichen Aufschwung zurückzuführen. Ab 1955 erfolgte die schrittweise Verdrängung des Norikers aus der Landwirtschaft durch Traktoren. In Kleinbetrieben wurde das Pferd noch bis 1970 eingesetzt. Durch die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten dieser Rasse fand der Noriker seit 1980 seinen Platz als Freizeitpartner.